Familiengeheimnisse

Familienmythen


 

 

Mythos: "Person, Sache, Begebenheit, die (aus meist verschwommenen, irrationalen Vorstellungen heraus) glorifiziert wird, legendären Charakter hat."

Duden - Das Fremdwörterbuch; Mannheim 1997

 


 

Das deutsche Familienrecht trägt nicht unwesentlich zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Familiengeheimnissen bei. So im Bereich der Adoptionen, bei den sogenannten Scheinvaterschaften, wo trotz des bekannt gewordenen biologischen Vaters die Fiktion der Vaterschaft des Scheinvaters (Putativvaters) aufrecherhalten wird.

So bei der 2 Jahresfrist zur Anfechtung einer Vaterschaft. 

Nicht zuletzt bei der Ausgrenzung von Vätern bei Umgangsvereitelung durch betreuende Mütter, wo die Kinder auf Grund des Verhaltens der Mutter und der Tatenlosigkeit des Staates in dem Bewusstsein aufwachsen müssen, ihre Väter wären Monster oder ähnliches.

 


 

 

"Tabuisierungen und Ausgrenzungen können über Generationen Bedeutung für das Familiensystem haben, indem ein Familienmitglied über leidvolles und leidbringendes Verhalten, gar Todessehnsucht (sich) an diese wichtige tabuisierte oder nicht gewürdigte Person erinnert und mit ihr verbunden ist. Im inneren Bild von der Familie wird dann unbewusst ein Platz eingenommen, der Spielraum und Entwicklungsmöglichkeit einengt, da er nicht der richtige, kindgemäße Platz ist."

Michael Grabbe in "Lösungsorientierte Arbeit im Familienrecht", Bundesanzeiger Verlag 2002

 

 


 

 

 

"Bei uns war das ganz anders" - Familiengeheimnisse und Familienmythen

 

Günter Reich

in: "Kontext - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie", 1/2001, S. 5 -19

Redaktion: g.presting@vandenhoeck-ruprecht.de

ISSN 0720-1079

 

"Zusammenfassung:

Geheimnisse und Mythen sind in jeder Familie zu finden. sie können ein Schutz der Integrität von einzelnen Familienmitgliedern oder der gesamten Gruppe sein. Beide können schädliche Folgen haben, in dem z.B. die Integrität anderer Familienmitglieder verletzt wird. Während Geheimnisse Einzelpersonen, Untergruppen oder die ganze Familie betreffen und auf diesen Ebenen gehütet werden können, sind Familienmythen eher kollektive Produkte. Mythen können den Zusammenhalt von Familien stärken und den Familienmitgliedern ein Gefühl von Eingebundensein in eine historische Kontinuität geben. Sie können aber, wie Geheimnisse auch, zu Realitätsverfälschungen, Überbürdungen mit Loyalitätsforderungen und zu Loyalitätsspaltungen führen. Ob Geheimnisse oder Mythen aufgedeckt werden sollten, hängt davon ab, ob und inwieweit von ihnen ein schädliche Wirkung ausgeht.

...

Oft werden Mythen als Gegenmacht zur tragischen Wahrheit geschaffen. Somit dienen sie der Abwehr. Mythen täuschen häufig über Ereignisse und Verhältnisse hinweg, nach aussen aber auch nach innen.

Die schmerzliche und komplexe Realität der wirklichen - vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen - Verstrickung der Angehörigen wird verneint, verzerrt, verschönt. Gut und Böse, Schuld und Unschuld werden eindeutig verteilt. Der Mythos folgt insofern oft nicht der Logik, sondern dem Gefühl und der Phantasie."

 


 

 

Butollo, W. (1993): Die Suche nach dem verlorenen Sohn. Von der Lebendigkeit des Totgeschwiegenen, München.

 

 


 

 

 

"Die Aufklärung von Adoptivkinder über ihre Herkunft im frühen Vorschulalter - kann dies falsch sein?"

 

Irmela Wiemann

in: "Pfad", 4/2001, S. 18-22

 

Ein sehr guter Aufsatz, der auf die fatalen Folgen für Adoptivkinder aufmerksam macht, wenn deren leibliche Eltern durch die Adoptiveltern bewußt oder unbewußt abgewertet werden. Das Kind nimmt dies als Botschaft wahr "Meine Eltern sind schlecht, also bin ich auch schlecht."

 

Analog passiert das auch bei Umgangsvereitelung durch Mütter, die nicht nur den Vater ausgrenzen, sondern diesen noch zusätzlich noch gegenüber dem Kind abwerten. Was dann zu den vieldiskutierten PAS führen kann. Die Bereitschaft in der familiengerichtlichen Praxis gegenüber solchen Formen von Kindesmisshandlung keine Toleranz zu zeigen, scheint noch immer erheblich eingeschränkt zu sein. Im Zweifelsfall gilt anscheinend immer noch der alte Grundsatz "Mutterwohl geht vor Kindeswohl"

 

 

 

 


 

 

Argentinien: Das gestohlene Mädchen

Nach zwei Jahrzehnten geborgenen Familienlebens bricht für eine junge Frau die Welt zusammen. Ihre wahren Eltern, erfährt sie, sind während der argentinischen Militärdiktatur ermordet worden. Ihr Ziehvater, ein Offizier dieses Regimes, hat sie als Baby geraubt. Nur durch die beharrliche Suche ihrer Großmutter nach der Enkelin ist das Verbrechen ans Licht gekommen. Doch auch Jahre danach fragt sich die Wiedergefundene: Wer bin ich wirklich? Wer ist Claudia Poblete?

http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_magazin/54623.html

 

Posteingang 19.08.2007

 

 

 


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